#Neuland

Das Weltall ist zu weit (und der Rest ist schon verteilt)

für agenda design #2 GRENZEN

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Vor genau einem halben Jahrtausend begründete der Engländer Thomas Morus mit der Veröffentlichung von Utopia ein neues literarisches Genre. Auch in der Designgeschichte spielt die Utopie als nichtexistenter Sehnsuchtsort und imaginärer Fluchtpunkt für neue Gesellschaftsentwürfe immer wieder eine Rolle. Unter dem Begriff Seasteading versuchen derzeit Unternehmer aus dem Silicon Valley, mittels künstlicher Inseln die Utopie Wirklichkeit werden zu lassen. Ist das unsere Rettung?

Wenn es in der Heimat ungemütlich wird und die vorherrschenden Probleme unlösbar erscheinen, wächst mitunter der Wunsch nach einem Ortswechsel. Sei es nun, indem man sich selbst an neue Ufer träumt oder sich wünscht, die anderen mögen doch dahin verschwinden – oder zurückkehren –, wo der Pfeffer wächst. Nazis raus! Ausländer raus! Selbst auswandern! Wer nicht von existenzieller Not bedroht ist, für den bleibt Letzteres meist ein eskapistischer Tagtraum, denn die Heimat hinter sich zu lassen ist immer mit hohen finanziellen und sozialen Kosten verbunden. Und wo wollte man auch hin? Vorbei die Zeiten, da Europas schicksalsgebeutelte Massen – „das elende Strandgut unserer vor Menschen wimmelnden Küsten“, wie es am Fuße der Freiheitsstatue heißt – in der Neuen Welt Zuflucht fanden. Und seit Australien keine Strafkolonie mehr ist, wird man auch die unliebsamen Zeitgenossen nicht mehr so leicht los. Heute sind diese Regionen zwar immer noch Einwanderungsländer, doch es wird streng überwacht, wer rein darf und wer nicht. Der Fall ist also klar, wir brauchen Neuland! Orte jenseits der bestehenden Zivilisation, an denen wir, dem typisch designerischen Impuls folgend, noch einmal ganz von vorne anfangen können. Mark Twain riet einst seinen Zeitgenossen: „Kaufen Sie Land, es wird keines mehr gemacht“ – doch das ändert sich gerade.

 

The world needs a place where those who wish to experiment with building new societies can go to test out their ideas. All land on Earth is already claimed, making the oceans humanity’s next frontier.“

Patri Friedman

[Das Zitat kann hier bleiben, oder auch irgendwo frei stehen]

 

Reif für die Insel

Die seit Mitte des 20. Jahrhunderts erträumte Besiedlung des Weltalls als „New Frontier“ lässt weiter auf sich warten, und das, obwohl neuerdings die Raumfahrt nicht mehr nur von staatlichen Behörden wie der NASA, sondern auch von Technologiemagnaten wie Elon Musk und Jeff Bezos vorangetrieben wird, die mit ihren Firmen Space X und Blue Origin jeweils private Raketenforschung betreiben.

 

 

Auch das Internet als „Electronic Frontier“ der 1990er hat seinen Wildwest-Charme inzwischen weitgehend eingebüßt und Angela Merkel musste viel Spott von der Netzgemeinde ernten, als sie das Web kürzlich noch als Neuland bezeichnete. Wer der Zivilisation entfliehen will, dem bleibt wie es scheint nur eine Möglichkeit: Die Konstruktion von künstlichen Inseln in internationalen Gewässern.

Unter dem Namen „Seasteading“ geht seit 2008 von Kalifornien eine Bewegung aus, die den amerikanischen Pioniergeist des frühen neunzehnten Jahrhunderts auf die Weltmeere ausweiten möchte. Vordenker und Gründer des in San Francisco ansässigen Seasteading Instituts ist der 39-jährige politische Aktivist und Mathematiker Patri Friedman, der heute hauptberuflich als Softwareentwickler bei Google arbeitet. Als Enkel des Nobelpreisträgers Milton Friedman und Sohn des Anarchokapitalisten David D. Friedman kämpft er bereits in dritter Generation für einen radikal freien Markt. Prominentester Geldgeber des Seasteading Instituts ist der deutschstämmige Software-Milliardär Peter Thiel, der sein Vermögen als Mitgründer von PayPal und früher Facebook-Investor gemacht hat, und der aus seiner libertären, staatsfeindlichen Ideologie keinen Hehl macht. In der Öffentlichkeit wird das Seasteading Institut durch den derzeitigen Direktor Randolph Hencken und den offiziellen Chef-Propagandisten und „Seavangelist“ Joe Quirk vertreten. Interessanterweise gibt es in der illustren Gruppe mehrere Verbindungen zur Psychedelic-Szene Kaliforniens und zum Burning Man Festival in der Wüste von Nevada – ebenfalls ein inselartiges Sozialexperiment, wenn auch nur eine temporäres. Vor diesem Hintergrund kann man Seasteading als die vielleicht schillerndste Blüte einer Kreuzung aus Hippiekultur, Plattformkapitalismus und Marktideologie bezeichnen.

 

Der Staat bin ich!

Die Erschaffung von Neuland ist aus Sicht der Seasteader die notwendige Grundvoraussetzung, um aus einer „temporären autonomen Zone“ eine dauerhafte zu machen. In aller Kürze klingen Weltbild und Vision wie folgt: Das höchste Gut der Gesellschaft ist die technologische Innovation. Anstatt diese zu fördern, bremst die Politik den Fortschritt durch Regulierung und Besteuerung aus. Die parlamentarische Demokratie selbst ist ein verknöchertes, korruptes, unfähiges und überholtes System, das es durch innovativere und innovationsfreundlichere Regierungsformen zu ersetzen gilt. Plattformbasierte Softwarekonzerne dienen als Vorbild und neue private Staaten sollen nach dem Start-up-Prinzip gegründet werden können. Seine Staatsangehörigkeit soll man wechseln können wie einen Mobilfunkvertrag. Im Interview mit agenda design erklärte Joe Quirk: „Seit Jahrhunderten entwickeln die Menschen neuartige Ideen des Zusammenlebens, doch sie dürfen sie nicht ausprobieren, weil sieben Milliarden Erdenbürger von nur 193 monopolistischen Staaten gefangen gehalten werden. Wir glauben, dass tausende Pioniere nur darauf warten, Gründer ihrer eigenen Mikronationen zu werden.“ Seasteading sei kein Gesellschaftsentwurf, so Quirk, sondern eine Plattform zur Realisierung einer Vielzahl neuer „freiwilliger“ Gesellschaften (voluntary societies). Bestehende Staaten zwängen ihre Bürger hingegen zur Teilnahme, z.B. durch Steuern.

Um innovativer und effektiver zu werden, so die Überzeugung der Seasteader, müssen Regierungen privatisiert werden und nach den Prinzipien des freien Marktes um ihre Bürger konkurrieren. Wer seinen Bürgern in diesem Wettbewerb den besten Service bietet, wird die kreativsten Menschen anziehen und zum innovativsten aller Staaten werden. Die erfolgreichsten Ideen innovativer Staatsführung setzen sich dann mit der Zeit auch in den anderen Staaten durch. Da von den derzeit 193 souveränen Nationalstaaten mit Territorialbesitz kein ausreichender Wille zur Innovation zu erwarten ist und es keinen Fleck Land mehr gibt, auf den nicht schon ein Staat Anspruch erhebt, sollen idealerweise Tausende souveräne, konkurrierende, künstliche Inseln mit eigenem Regelwerk die Keimzellen bilden für eine beschleunigte und zugleich privatisierte Evolution des Staatswesens.

 

iLand der Seligen

Ist Utopia also bereits in der Produkt-Pipeline des Silicon Valley? Das iLand der Seligen als Franchise-Unternehmen in schickem Apple-Design? Während die Autoren utopischer Romane – von Thomas Morus bis William Morris mit seinen News from Nowhere (1890) – vor allem an sozialen Fragen wie der gerechten Verteilung von Wohlstand interessiert waren, versuchen es die Seasteader mit ihrem Inselentwurf zu ermöglichen, dass man sich allen gesellschaftlichen Verpflichtungen entziehen kann. Frei nach dem Motto: „Wenn jeder an sich selbst denkt ist an alle gedacht. In der Vorstellung der Seasteader sollen politische Auseinandersetzungen durch cleveres Inseldesign der Vergangenheit angehören. Stattdessen behandeln sie die künstlichen Inseln vor allem als Ingenieurs- und Designproblem. Aber dienen politische Auseinandersetzungen und die daraus resultierenden Gesetze nicht idealerweise gerade dazu, den Schwächeren in der Gesellschaft zu ihrem Recht zu verhelfen?

Obwohl die führenden Seasteader ganz offen ihre libertäre Weltanschauung als Motivation angeben, betonen sie zugleich, dass die Seasteading-Technologie zu einer möglichst großen Vielfalt konkurrierender politischer Systeme führen soll. Doch wenn die Regierung privatisiert wird und die Bürger zu Kunden werden, dann fragt sich, wie man ohne demokratische Wahlen verhindern will, dass sich der politische Einfluss des Einzelnen proportional zur Zahlungsbereitschaft verhält. Und was passiert mit denjenigen, die sich die hohen Lebenskosten auf der Insel irgendwann nicht mehr leisten können? Eine wichtige Frage, da die Grundstücke nach derzeitigen Schätzungen mindestens so teuer sein werden wie auf der Halbinsel Manhattan. Wenn man die schwächeren Inselbewohner aufgrund der programmatischen Ermangelung eines Sozialsystems weder mittragen noch ins Meer stoßen will, bleibt eigentlich nur die Entsorgung in die Sozialsysteme auf dem Festland. So weit her ist es mit der Unabhängigkeit dann doch nicht.

 

Inseldesign als formgewordene Ideologie

Seit seiner Gründung hat das Seasteading Institut bereits zwei Designwettbewerbe zur Gestaltung der Inseln veranstaltet, den ersten 2009, den zweiten 2015. Dabei ist hochspannend, wie grundlegend sich die Entwürfe in den sechs Jahren verändert haben. Dies geht jedoch keinesfalls auf rein stilistische Entscheidungen zurück. Stattdessen ist das Design formgewordener Ausdruck des dahinterliegenden politischen Programms auf der einen Seite, und der für die Realisierung notwendigen pragmatischen Kompromisse angesichts schwieriger Umweltbedingungen auf der anderen Seite. Aus massiven, statischen Hochseeplattformen im Stile von Bohrinseln sind vergleichsweise filigrane, kristalline, schneeflockenförmige Teppiche von schwimmenden Inseln geworden, umringt von einem ebenfalls schwimmenden Wellenbrecher. 2013 hatte das Seasteading Institut das niederländische Architekturbüro DeltaSync mit einer professionellen Machbarkeitsstudie beauftragt, deren Ergebnisse wiederum die Basis für den Designwettbewerb von 2015 bildeten und diesen sehr positiv beeinflusst haben. Denn die Experten von DeltaSync entwickeln bereits seit vielen Jahren schwimmende Bauten, von einzelnen, bereits umgesetzten Häusern und Veranstaltungshallen bis hin zu Entwürfen ganzer Städte auf dem Wasser. Dabei gibt es einen wesentlichen Unterschied zur Haltung der Seasteader: DeltaSync konzentriert sich auf symbiotische Systeme zur Stadterweiterung auf dem Wasser. Man versucht nicht, sich von der Zivilisation zu entfernen, sondern Ballungsräume vom Meer aus komplementär zu ergänzen. Im Gespräch mit agenda design bestätigte Karina Czapiewska von DeltaSync, dass man vor allem an Fragen der Nachhaltigkeit interessiert sei, und mit den schwimmenden Städten auf umweltfreundliche Weise Energie herstellen, die Abwässer von Küstenstädten filtern, Nahrung in Form von Fischen und Algen produzieren und für den steigenden Meeresspiegel gerüstet sein wolle.

Die frühen Seasteading-Entwürfe von 2009 erinnerten noch an aufgehübschte Versionen des im Ärmelkanal gelegenen „Fürstentums Seeland“, einer in den 1960er Jahren zur Mikronation erklärten, ehemaligen britischen Seefestung aus dem Zweiten Weltkrieg. Sealand lag einst in internationalen Gewässern, bis Großbritannien sein Hoheitsgebiet Ende der 1980er Jahre ausweitete. Die Grundannahme der Seasteader, es gäbe totale Autonomie auf hoher See, steht also ohnehin auf tönernen Füßen. Doch auch wegen der exorbitant hohen Baukosten und der aggressiven Witterungsbedingungen auf hoher See, musste man von dem ursprünglichen Plan abrücken. Außerdem haben Befragungen potenzieller Seasteading-Bewohner ergeben, dass diese sich für ihr Leben auf der künstlichen Insel vor allem Sicherheit, schnelles Internet, gute Flughafenanbindung und Nähe zu Krankenhäusern wünschen – kurzum: die Errungenschaften der Zivilisation, bloß ohne die lästigen Pflichten. An dieser Stelle muss man die Seasteading-Idee eigentlich für gescheitert erklären, zumindest in ihrer fundamentalistischen Form. Doch die Bewegung geht weiter und konzentriert sich inzwischen, angeblich als Zwischenlösung, auf die Entwicklung von schwimmenden Städten in seichten, tropischen Buchten.

Statt auf echte Autonomie zielt man nun auf Abkommen mit Staaten wie Honduras (das Land mit der höchsten Mordrate der Welt), um vor deren Küsten frei flottierende Sonderwirtschaftszonen betreiben zu dürfen. Das Kalkül der Seasteader: je ärmer ein Land, desto größer die Bereitschaft, neue Wege zu beschreiten und den libertären Insulanern einen Freibrief auszustellen.

Der tragische Kompromiss, sich für die vermeintlich totale Freiheit in die Abhängigkeit instabiler Schwellenländer zu begeben, hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Design der Inseln. Statt statischer Plattformen will man jetzt schwimmende Städte, die sich im Fall eines Zerwürfnisses mit der Wirtsnation in eine andere Region schleppen lassen. Doch die Mobilität soll nicht nur auf Ebene der Makrostruktur, sondern auch für die einzelnen Grundstücke gewährleistet sein, sodass die Seasteader jederzeit mit ihrer Scholle und ihrem Haus zu einer konkurrierenden Mikronation umziehen können. Da sie keine politische Stimme in der privatisierten Regierung ihrer Insel haben, wählen sie indirekt mit dem Standort ihres schwimmenden Wohnsitzes. Es ist also eine gewisse Selbstähnlichkeit in den Handlungsmustern ebenso wie in der Formensprache zu erkennen; so wie man sich aus der Gesellschaft im Großen herauszieht, will man sich jederzeit auch von der Inselgemeinschaft anderer Seasteader loslösen können. Die Hölle, so hieß es schon in Satres Geschlossene Gesellschaft, sind halt immer die anderen.

 

Auf Sand gebaut

Laut Karina Czapiewska steigt die Nachfrage nach schwimmender Architektur langsam aber stetig, wobei die Finanzkrise 2008 der Entwicklung einen Dämpfer verpasst hat. Man ist sich bei DeltaSync sicher, dass der große Durchbruch noch kommen wird, aber wohl etwas später als anfänglich gedacht. Dass künstliche Inseln keinesfalls nur Zukunftsmusik sind, lässt sich übrigens in Dubai beobachten. Weil hier im Zuge des Immobilienbooms Anfang des Jahrtausends die begehrten Grundstücke mit Meerzugang knapp wurden, begann man im ganz großen Stil künstliche Inseln vor der Küste aufzuschütten. Insgesamt waren drei Inseln in Palmenform und eine Inselgruppe in Gestalt einer Weltkarte geplant. Auch hier machte die Finanzkrise einen Strich durch die Rechnung, sodass nur eine der Inseln – Palm Jumeirah – wirklich fertiggestellt und bebaut wurde. Die anderen Inseln sind heute nur erodierende Sandhaufen in der Brandung. Die Palmenform hat nicht nur Symbolcharakter, sie sorgt vor allem für eine maximale Ausbeute an Küstengrundstücken.

Die formale Ähnlichkeit zwischen Palm Jumeirah und den aktuellen Seasteading-Entwürfen, insbesondere zu Artisanopolis, dem Gewinner des Designwettbewerbs von 2015, ist verblüffend. Doch die Formentsprechung ist kein Zufall, sondern Ergebnis der gleichen Randbedingungen, nämlich dem eigentümlichen Kräftegemisch aus den harschen Umwelteinflüssen des Meeres und den Kapitalflüssen solventer Kunden mit starken Abschottungsbestrebungen. Auf die kreisförmige Mole als gemeinschaftliche Infrastruktur muss man sich unweigerlich einigen, um den zersetzenden Kräften der Natur zu trotzen, doch innerhalb des Rings möchte man um jeden Preis für sich bleiben. Obwohl man in einer Gated Community dieser Preisklasse bereits unter seinesgleichen ist, wäre etwa ein gemeinsamer Strand undenkbar. Man will vor allem „gated“ sein, die „Community“ will man möglichst meiden.

Das Berliner Architekturbüro SMAQ von Sabine Müller und Andreas Quednau hat sich in dem Buch Charter of Dubai – A Manifesto of Critical Urban Transformation von 2012 mit den Möglichkeiten eines umwelt- und sozialverträglichen Redesigns von Palm Jumeirah auseinandergesetzt. (Ein ausführliches Interview mit SMAQ zum Buch und zur Lage in Dubai können sie online auf agenda.design nachlesen.) Im Gespräch mit agenda design äußerte sich das Duo darüber hinaus auch zum Thema „Seasteading“. Aus Sicht von Sabine Müller und Andreas Quednau „führen die hohen Kosten für die Infrastruktur zu einer extremen sozialen Spaltung“, denn diejenigen, die die künstlichen Inseln finanzieren, um dort zu leben, erwarten auch ein hohes Maß an Luxus. Dieser ist jedoch nur mit einer Heerschar an Bediensteten aufrechtzuerhalten, die für sehr wenig Geld die Drecksarbeit machen müssen. Und tatsächlich führt „Seavangelist“ Joe Quirk vom Seasteading Institut häufig den Luxus auf Kreuzfahrtschiffen an, allerdings um zu betonen, wie wunderbar es sich auf hoher See mit Zimmerservice leben lässt. In Städten wie New York und London lebt das Personal im Umland, in Dubai auf dem Festland. Wo man jedoch beim Seasteading seine Bediensteten unterbringt, ist bisher ungeklärt. Mit einer schnellen Markerskizze weißt Sabine Müller darauf hin, dass diese Strukturen Eisbergen ähneln. Auch bei Kreuzfahrtschiffen lebt und arbeitet die Crew unter Deck, wenn nicht gar unter der Wasseroberfläche. Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht…

Man kann also die Seasteads und Palmeninseln nur solange (und fälschlicherweise) als Utopie betrachten, solange man sich auf die Perspektive derjenigen auf dem Sonnendeck beschränkt. Als ganzheitlicher Gesellschaftsentwurf taugen sie nicht. „Wenn man sich nur mit Leuten zusammentut die so sind wie man selbst“, so Sabine Müller, „dann ist das nach meinem Verständnis keine Gesellschaft, denn in der geht es um das Aufeinanderprallen von verschiedenen Ansätzen, Meinungen und Kulturen“. Und im Hinblick auf die Sehnsucht nach Neuland ergänzt die Architektin: „Seasteading scheint der Versuch zu sein, ein Außen im Innen zu schaffen, aber das ist der falsche Ansatz. Wir müssen endlich verstehen, dass die Welt ein geschlossenes System ist, und in der Transformation des Bestehenden das Utopische wiederfinden.“

„Die Ruinen dessen, was sich als nicht nachhaltig erwiesen hat, sind die Frontier des 21. Jahrhunderts.“ Bruce Sterling

 

„Das Weltall ist zu weit (und der Rest ist schon verteilt)“ ist der Titel eines Songs der Hamburger Band Die Sterne aus dem Jahr 2004.